google-site-verification=boPzj3PknrOdr0zZNtpUrKumQ43WXOmBoVQEAxn_OJU Wie schmecken Pestizide im Wein?

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Kann man Pestizide im Wein schmecken?

Ein persönlicher Recherche-Versuch von Holger Casselmann
 

Erstmalig gebloggt im Juni 2015

Ein Lerneffekt der letzten Recherchen war, dass die meisten Weine, die nicht von biologisch/ökologisch angebauten Reben stammen, Rückstände von Pestiziden enthalten. Die Größenordnung der Restgehalte liegt zwischen 0,01 und ggf. mehreren mg/Liter (tausendstel Gramm pro Liter). Geruchs- und Geschmacksstoffe haben oft viel niedrigere Schwellenwerte, d. h. in oft tausendfach geringerer Konzentration als die genannten Pflanzenschutzmittelreste; trotzdem sind sie deutlich als Geschmack bzw. Geruch wahrnehmbar.

Weine und Lebensmittel aus konventionellem Anbau enthalten in etwa 90 % der Fälle nachweisbare Rückstände von Pflanzenschutzmitteln, wobei diese z. T. deutlich unterhalb der zulässigen Grenzwerte liegen (vgl. unsere Artikel Wein und Pestizide sowie Olivenöl und Schadstoffe). Bei Produkten aus biologischem Anbau ist es umgedreht: in über 80 % der Produkte sind keine Restmengen nachweisbar und bei denjenigen, die welche enthalten, sind häufig nur noch Spuren vorhanden. Letztere entstehen häufig durch Austragungen aus Nachbarfeldern oder durch Kontamination während der Verarbeitung.


Mir ist hin- und wieder aufgefallen, dass manches Obst einen unangenehm seifigen, „chemischen“ Geschmack hatte, z. B. bei Äpfeln, Erdbeeren oder Nektarinen, auch bei Trauben, ohne dass diese äußerliche Schäden oder Beanstandungen aufwiesen. Dass es sich hierbei um einen natürlichen Geschmack handelte, erschien mir mehr als unwahrscheinlich.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Wein ohne Einsatz von Pestiziden

Gibt es also einen Geschmackseinfluss auf Grund chemischer Behandlungen, und gilt das auch für Wein?

 

Hierzu hatte ich versucht, einige kompetente Stellen zu befragen. Als da waren:

 

  • Bayerisches Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL), Erlangen

  • Prof. Winterhalter, Institut für Lebensmittelchemie der Technischen Universität Braunschweig

  • Prof Hofmann, Lehrstuhl für Lebensmittelchemie und molekulare Sensorik der Universität München

 

Nachdem die Anfragen gestellt wurden, wartete ich gespannt auf die Antworten. Recht zeitnah kam eine, gleichzeitig abschließende Antwort vom LGL. Zitat: "Die üblicherweise verwendeten Wirkstoffe in den Pflanzenschutzmitteln haben in der Regel keinen nennenswert ausgeprägten Geruch, sodass sie sich in den vorkommenden Gehalten im Wein als Fehlaromen nicht bemerkbar machen. Insofern ist mit einer geschmacklichen und olfaktorischen Beeinträchtigung durch Pflanzenschutzmittelwirkstoffe in Wein nicht zu rechnen." Ende des Zitats.

 

Der geruchliche Aspekt ist dabei einleuchtend, allerdings sagt das nichts darüber aus, ob vielleicht Bittertöne, Seifengeschmack  o. ä. ausgelöst werden können.

 

Ich fragte mich dabei: Wie sollte ein Test auf Geschmack von Pestiziden aussehen? Wer würde schon freiwillig z. B. eine 0,5 mg-Lösung eines Herbizides in 1 Liter Wasser auf Geschmack probieren? Und wer würde es wagen, solche Lösungen (es sind ja Hunderte von Wirkstoffen im Einsatz) überhaupt zum Trinken anzubieten und könnten hypothetische Probanden das nicht als vorsätzliche Körperverletzung interpretieren?

 

Das Verblüffendste jedoch bei diesen Gedanken ist, dass in Form von Wein solche Mengen fröhlich gleich glas- oder flaschenweise konsumiert werden. Darüber sollte man nochmals tiefer nachdenken.

 

Am 03.07.2015 kam folgende Rückmeldung:

 

Prof. Winterhalter, TU Braunschweig antwortete wie folgt:

Zitat: "mir ist nur ein Fall bekannt, der zu Aromafehlern über Spritzmittel
führte und der auch Millionenschäden verursachte.
Es handelte sich damals um das Fungizid Acephat, das während der
Lagerung in Wein zu Methamidophos und Essigsäure abgebaut wird.
Aus Methamidophos wird dann Methylmercaptan freigesetzt, das einen
schlimmen off-Flavor verursacht.
Solche Einflüsse sind somit generell vorstellbar, wobei es sich hier
um einen Aromafehler und nicht Geschmacksfehler handelte."

-Ende des Zitats -

 

Es gibt sie also doch. Methylmercaptan hat einen faulig stechenden Geruch. Das dürfte den Wein völlig verdorben haben.

 

 

Am 14.08.2015 schließlich:

 

Nach recht hartnäckigem Nachfragen ließ Prof. Hofmann über sein Sekretariat endlich verlauten, dass es zu dieser Thematik keine Erkenntnisse gäbe.

 

Ja, dann bleibt die Erkenntnis, dass es keine bekannten Untersuchungen dazu gibt. Und gleich taucht wieder die Frage auf, ob Bioweine anders schmecken? Jedenfalls scheinen sie in Prämierungen überproportional zu der angebotenen Anzahl an Weinen vertreten zu sein.
 

Am 07.04.2016 dann die Meldung:

 

Der SWR hat einige Weißweine von Discountern und Supemarktketten geprüft im Preissegment unter 7 Euro/Flasche. Nur eine Probe war rückstandsfrei von Pestiziden, einige Proben enthielten Mehrfachrückstände und einige sogar Glyphosat. Es fällt auf, dass dabei die Weine mit Mehrfachrückständen auch die schlechtesten Geschmacksergebnisse geliefert hatten.

 

http://snip.ly/xx5nc#http://www.swr.de/marktcheck/discounter-weissweine-test/-/id=100834/did=17000456/nid=100834/mkgto/index.html

Fazit

Der Beweis eines Geschmackseinflusses steht noch aus. Beim Lesen diverser Foren fallen schon einmal Kommentare auf, dass konventionell angebautes Obst (z. B. Erdbeeren) einen pelzigen Geschmack hätte usw. Es scheint aber keine wissenschaftlichen Untersuchungen hierzu zu geben. Landwirte, die schon einmal Spritznebel ausgesetzt waren, könnten hier vielleicht etwas dazu beitragen. Jedenfalls erscheint es einleuchtend, dass die Industrie keinerlei Interesse an solchen Untersuchungen hat.

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